180 Besucher bei Diskussion mit Tim Röhn

v.l.: Tim Röhn, Ilka Werner, Christoph Zenses und Uli Preuss. Foto: Moritz Alex

Über 70 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Und: „Die politischen Systeme scheinen zunehmend zu versagen. Menschen ertrinken im Mittelmeer, Flüchtlinge müssen auf Müllkippen leben, Migranten werden an EU-Grenzen niedergeknüppelt“ schreibt die Journalistin Jutta Schreiber-Lenz in ihren Beiträgen im Solinger Tageblatt und der Solinger Morgenpost. Unser Verein „Solingen hilft“ lud vor diesem Hintergrund zu einer viel beachteten Podiumsdiskussion ins Zentrum für verfolgte Künste im Solinger Kunstmuseum ein.

Im bis auf den letzten Platz besetzten Meistermann-Saal hörten gut 180 interessierte Solinger mehr als zwei Stunden lang zu. Eingeladen hatten wir den Journalisten Tim Röhn. Er bereist für Medien wie WELT und Spiegel die Außengrenzen der EU, ist seit Jahren tief drin in den Flüchtlingsthemen. Röhn sieht das Leid der Flüchtlinge, schränkt aber auch ein und fordert: „Ich fühle mit den Menschen, schließt deshalb die Grenzen“. Seiner Meinung nach dürfe man besonders den nordafrikanischen Flüchtlingen eine gefährliche Überfahrt gar nicht erst zumuten. Auch weil die meisten in Europa erfahrungsgemäß abgewiesen und somit noch tiefer im Elend versinken würden. Der gebürtige Solinger lebt zudem in Südspanien und bekommt hautnah den Flüchtlingsstrom dorthin mit.

Dr. Christoph Zenses mit einer Kinderschwimmweste.

Dr. Christoph Zenses erlebte das Flüchtlingselend auf dem Mittelmeer als Schiffsarzt auf dem Rettungsschiff „Sea Watch 2“. Es wurde still im Museum, als er von den Leiden und Verletzungen der Menschen im Meer und von den Lebensbedingungen im griechischen Camp Moria sprach. Auch dort auf Lesbos half der Solinger Arzt mehrfach. Erst vor wenigen Wochen ist er aus der Ostägäis zurückgekehrt. Dort engagiert sich auch unser Verein in der medizinischen Hilfe. „Solingen hilft“ bringt seit dem Frühjahr dringend benötigte Medikamente in das völlig überfüllte Flüchtlingscamp. Finanziert von Sponsoren und vor allem aus Spenden von Solingern. War „Moria“ als Kaserne ursprünglich für 2200 Soldaten ausgelegt, sind aktuell bis zu 14.000 Flüchtlinge unter unhaltbaren Bedingungen dort zusammengepfercht.

Uli Preuss moderierte den Abend.

Mit auf dem Podium saß auch Dr. Ilka Werner als Vertreterin der christlichen Kirchen. Sie sagt: „Menschenleben retten ist eine Christenpflicht, keine Straftat“. Aber sie verweist auch darauf, die Ursachen der Massenflucht in den jeweiligen Ländern zu benennen und zu bekämpfen. Die Journalistin Jutta Schreiber-Lenz zitiert Werner in ihrem Bericht wie folgt: „Solange wir in Europa nicht nachhaltig und fair Gelder in die Entwicklung beispielsweise afrikanischer Staaten geben, werden wir uns auch der wirtschaftlichen Flüchtlingsfrage stellen müssen.“

Der Diskussion folgte eine Fragerunde unter den Zuhörern. Die Meinung ist nahezu gleich: Wir dürfen die Menschen nicht hilflos zurücklassen. Alle Anwesenden machen der Politik deutliche Vorwürfe. Hier hätte man seit Jahren nicht ausreichend gehandelt. Im Gegenteil, man nähme bewusst den Tod der Menschen in Kauf. Hans-Werner Bertl, Ex-Bundestagsabgeordneter und Zuhörer machte den Vorwurf: „Man wird das Gefühl nicht los, dass man Flucht nicht wirklich verhindern, sondern scheitern sehen will“. Nur so könne man den Strom der Menschen halbwegs eindämmen. Was das für die Menschen im Meer und in den Lagern bedeutet, wissen die Teilnehmer auf dem Podium nur zu gut. up/14.11.19

DANKE

Ohne Hilfe keine Veranstaltung. Daher gilt unser Dank dem Kunstmuseum Solingen und dem Zentrum für verfolgte Künste mit seinen Direktoren Gisela Elbracht-Iglhaut und Jürgen Kaumkötter. Danke auch an die Mitarbeiter des Hauses, die ihren Feierabend opferten. Die perfekte Akustik über sechs Mikrophone lieferte die Firma Medientechnik Ludwig Hetfeld.
Danke ebenso an die Spender, die unsere Spendenkiste fleißig fütterten oder gleich auf unser Spendenkonto einzahlten. Seien Sie sicher: Ihre Spende kommt unserem aktuellen Projekt in Moria zugute und lindert dort die akuten Schmerzen der Menschen durch dringend erwartete Medikamente.